Vom Umgang mit den Medien
Erfahrungen
und wie
"Skurrile Liebe-Darauf steht Deutschland"
entstand
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Ein Wort zum Umgang mit Medien
Mit freundlicher Genehmigung: watcherx
Quelle:http://home.arcor.de/watchsx/os/
In den allermeisten Fällen hat sich erwiesen, dass die Medienmacher (im weiteren Text: "Medien") dem Betroffenen keinerlei Mitspracherecht und keinerlei Veto vor der Veröffentlichung des sende- oder druckfertigen Produkts gestatten wollen. Sprich, der Betroffene muss nach Ansicht der Medien hinnehmen, was themenfremde Personen sich für die Darstellung seiner Person und seines Lebens so alles an Mätzchen ausdenken. Der Betroffene muss hinehmen, in einen mißverständlichen Kontext oder eine Rahmenhandlung eingebaut zu werden, die ihn lächerlich und negativ aussehen lassen wird. Der Betroffene sollte sich keinesfalls darauf verlassen, dass die Medien die angeblich "sein Bestes" wollen, das auch tatsächlich zu seinem Besten umsetzen.
Um dieses Mitspracherecht zu unterbinden, werden alle möglichen Tricks und Kniffe angewendet, von simpler Überredung "Wir wollen doch nur Ihr Bestes" bis zu "Das regeln wir dann wenn's so weit ist." Und "wenn's so weit ist", wird dann halt was erzählt von "Ja, das können wir jetzt auch nicht mehr beeinflussen", "das ist schon im Druckprozess", "der Redakteur macht doch was ihm passt", "muss doch alles ganz schnell..." ... Alles Faule Ausreden.
Ein Redakteur mag das entstellte Endergebnis vielleicht wirklich okay finden, weil "so schlimm ist das ja gar nicht" - für ihn als Person ist das auch wirklich nicht so schlimm, er ist es ja nicht selber, der mit allen möglichen Folgen für das Weiterleben in einem bestimmten sozialen Umfeld geoutet wird. Der Redakteur hat im Zweifelsfall sein Geld damit verdient, einen "vertrauensvollen" Objekto ans Messer zu liefern, und der mitspielende Objekto hat im Zweifelsfall sein Leben zerstört, indem das soziale Umfeld plötzlich ohne entsprechende Vorbereitung erfährt, "mein Nachbar / Arbeitskollege / Kursleiter / Sportmannschaftskollege / Bandmitglied / Kneipenwirt / Mitschüler / Bruder / Schwester / Mitstudent / Mieter / Kumpel / Kollege bei der Freiwilligen Feuerwehr / ... v'()'gelt Dinge". Und die übliche Reaktion eines unvorbereiteten Publikums läßt sich ganz prima aus den 11 "gern" gehörten Vorurteilen zusammenrühren. Von seiner Neigung erzählt ein Objekto oft nicht mal seinen eigenen Eltern, und wenn die es dann von ihren Nachbarn zu hören kriegen, weil es im TV unter "Perverse Heute" abgehandelt wurde, lieber Redakteur... für Dich ist das nicht schlimm, da ist ja nur das soziale Umfeld von jemand anders zerstört worden, wenn die Darstellung nicht mehr beeinflusst werden kann.
=> Wenn du als Objekto mit den Medien zu tun bekommst, dann lass Dir schriftlich geben, dass Du das fertige Produkt noch vor der öffentlichen Verbreitung zu sehen bekommst, und ein Mitspracherecht und Vetorecht hast. Wenn Du das nicht schriftlich und rechtsverbindlich zugesichert bekommst, dann lass Deine Finger von dem "Angebot". Dieser Rat gilt selbstverständlich auch für jeden anderen Menschen, an den die Medien herantreten. Es gibt das Recht am eigenen Bild und das Recht am eigenen Wort, und wenn du ein Nicht-Live-Interview gibst, dann MUSS der Interviewende Deine Unterschrift haben, dass Du einverstanden bist mit der Verwendung des Materials. Das bedeutet aber nicht, dass Du jeglicher Form der Verwendung zustimmen musst! Bevor Du irgendwas unterschreibst, solltest Du auf jeden Fall darauf beharren, dass schriftlich fixiert wird, dass Du das Endprodukt vor der Veröffentlichung zu sehen bekommst und Änderungswünsche verbindlich geltend machen kannst.
Lass dich nicht von journalistischer Hektik verunsichern, "muss alles schnell schnell" und "wenn da jeder käme" sind Einschüchterungen, es ist nicht Dein Problem, dass Journalisten ihre Termine so knapp setzen, dass ihnen irgendwelche Deadlines angeblich die Ohren versengen. Es sind ihre Ohren, und es ist ihre Terminwahl, nicht Deine. Du hast einen rechtlichen Anspruch auf Dein Wort und auf Dein Bild. Fordere von Dir aus das Mitspracherecht und das Vetorecht ein, wenn Dir das nicht zugestanden wird, dann verweigere Dein Einverständnis zur Verwendung des Materials, gib Deine Genehmigung Unterschrift erst, wenn du das Endprodukt in der Form zu sehen bekommen hast, in der es veröffentlicht werden WIRD - nicht werden "SOLL". Sollte etwas ohne Deine Unterschrift veröffentlicht werden, dann kannst Du rechtliche Schritte einlegen. Sollte, NACHDEM Du Deine Unterschrift geleistet hast, noch was entstellend verändert werden, so kannst Du ebenfalls rechtliche Schritte einlegen.
Jeder O-Ton, der nicht live gebracht wird, kann durch Schneiden in einen mißverständlichen Zusammenhang gebracht werden, und durch ungünstige Schnitte kann Dir alles mögliche in den Mund gelegt werden, was du so nicht gesagt hast. Spiel dabei nicht mit, indem Du auf Dein Vetorecht verzichtest - Du hast am wenigsten davon.
Wenn Du in der Öffentlichkeit von einem Menschen mit deutlich sichtbarem Mikrophon angehalten wirst, dann ist die Situation etwas anders als im nicht-live Interview-Termin, dann gilt Dein Hineinsprechen ins Mikro als Zustimmung zur Verwendung. Wenn du merkst, dass du Mist gesagt hast, dann sag "Ich will nicht, dass mein Text von eben verwendet wird, bitte löschen Sie das wieder".
Ähnlich ist es bei Livesendungen, da gilt Deine Anwesenheit als Zustimmung. Lass dir vor Live-Auftritten verbindlich und schriftlich geben, was während der Sendung passieren soll, welche Themen angeschnitten werden und wer Deine Gesprächspartner sein werden. Lass Dich nicht auf "Überraschungsgäste" ein. Befindet sich ein Gesprächspartner in der Runde, den du aus bestimmten Gründen ablehnst, (z.B. ein selbst ernannter Experte in Deiner Sache), dann gib Deine Gründe schriftlich an und bestehe auf eine Besetzung mit einer neutraleren Person. Mach das schriftlich ab. Solltest Du während der Sendung feststellen, dass Du entgegen der Abmachungen dennoch mit dem abgelehnten Gesprächs"partner" konfrontiert wirst, dann steh auf und geh, notfalls auch vor offener Kamera. Auch das nimmst Du bereits vor der Sendung ausdrücklich schriftlich in den Vertrag auf und lässt es von allen Verantwortlichen unterschreiben. - Am besten ist es natürlich, du lässt dich gar nicht erst auf Livesendungen oder Talkshows ein, deren Sendeanstalten, Moderatoren, Regisseure usw. für ihr unseriöses Verhalten bereits bekannt sind.
Auch die Medien sind an Verträge und Gesetze gebunden, selbst wenn die dort Beschäftigten das häufig genug aus Eigeninteresse zu erwähnen vergessen, oder zu bagatellisieren versuchen.
Häufig wird eine Firma an Dich herantreten, die im Auftrag Beiträge für bestimmte Sendeformate heranholt, so dass Du nicht sofort erkennst, welcher Sender dahinter steckt. Der Sender wird meist als "namhafter Privatsender" bezeichnet und Deine Gesprächspartner werden als "bekannte Moderatoren und Moderatorinnen" bezeichnet. Der Rest des Textes ist eine Selbstvorstellung und ein möglichst salbungsvoll abgeschriebener "Wir haben so tolle Visionen und eine so irre Toleranz und finden, das Thema XYZ muss endlich vorurteilsfrei laberblah größerem Publikum Verständnis wecken schwafel blubber rarara". Nähere Information bekommst Du erst, wenn du reagierst, aber selbst dann werden Sendername und die ach so bekannten Moderatoren nicht genannt, die da Dein Leben ein bis zwei Tage "begleiten" sollen um dich als "normalen Menschen" mit Hättättäh und Pühpühpüh darzustellen.
Egal was man davon hält, für irgendwelche Sesselfurzer ohne Eigenphantasie in Zeitlupe über eine grüne Wiese unter blauem Himmel im weißen Kleide mit wehendem Flammenhaar dem über alles geliebten Standlautsprecher entgegenzutirilieren, um bei aufbrausender Orchestermusik in vollem Lauf mit ihm zusammenzuprallen und gemeinsam ins hohe Gras zu kippen, während der Kameramann den Rosafilter einschiebt (und der Menschdarsteller sich unterdessen hinter der Hecke schmerzverzerrt das blaugehauene Knie hält), (so eine Szene wird wohl niemand allen Ernstes mit einem realen Objekto drehen können), also egal was man vom eigentlichen Plot hält:
Diese Leute können Dir nicht garantieren, dass Du den Beitrag in der beabsichtigten Form noch vor der Ausstrahlung zu sehen bekommst. Sie werden Dir keine konkrete Zusage machen, dass Dein Vetorecht und Mitspracherecht VOR der Ausstrahlung des fertigen Beitrages gewahrt wird.
=> Lass es bleiben.
Ausserdem:
Du bist kein Schauspieler, der die Rolle des Objektos nach dem Dreh an der Garderobe abgeben und sich seine Gage holen gehen kann. Wenn die Medien so nach "Authentizität" brüllen, dann liegt es auch daran, dass "authentisch" für die Medien bedeutet, "denen brauchen wir nix zu bezahlen", "die Gesichter hat noch nie jemand gesehen und wird auch nie wieder jemand sehen", der Schalter heißt: "jeder wird gern beachtet und geliebt" (aha?!?! schau doch mal nach bei Vorurteil 11, den Abschnitt über den Neid) - man nennt das auch nach Andy Warhol die "15 Minuten Berühmtheit im Leben eines jeden Menschen", und hier empfehle ich mal, das Manifesto des Graffiti-Künstlers BANKSY durchzulesen, der meint, in Zukunft wird es den Menschen eher um 15 Minuten Anonymität in ihrem Leben gehen. Das angesprochene Manifesto gibt es unter http://www.banksy.co.uk [Externlink] zu lesen.
Was die Medien einem ebenfalls zu suggerieren versuchen: "Guck mal, wir zeigen doch Leute wie Du und Ich, deswegen sind wir dein bester Freund, und alle die zugucken sind auch deine Freunde". Nichts ist falscher gedacht. Das einzige Medium was wirklich das sagt was DU sagen willst, das ist das Medium in dem Du selber veröffentlichst.
Wenn dann ne negative Reaktion kommt, musst Du nicht jaulen, das Medium sei dran schuld und hätte Deine Aussagen verzerrt.
Als "Nicht-Professioneller" kommst du natürlich an "öffentliche" Medien wie Rundfunk und Presse nur schlecht heran; aber du mußt deswegen ja nicht das unfaire Spiel der "Professionellen" in allen Nuancen mitspielen, und Dich von ihnen schlachten lassen.
Bleib dabei, Dein Mitspracherecht einzufordern. Es gehört Dir. Wenn nichts geht, dann veröffentliche in alternativen Medien wie dem Internet, in selbst verlegten Büchern und Zeitschriften, erstelle selbst Radio- und Fernsehbeiträge und bringe diese über Bürgermedien, Offene Kanäle, Freie Radios, Internetradios, Indymedia, und andere alternative Medienprojekte zu Gehör. Aber lass dir Dein Recht am eigenen Wort und Dein Recht am eigenen Bild nicht von irgendjemandem abschwätzen, der sich von Dir nur dadurch unterscheidet, dass er den Finger am Regler hat und senden oder drucken kann, was Dich betrifft. Dieser Mensch mit dem Finger am Regler hat KEIN Mitspracherecht an Deinem Leben erworben, und genau das versucht er gerne zu vergessen, wenn er Dich "formatgerecht" in einen Rahmen verpacken will, in den Du nicht hinein gehörst.
Schau bitte Deiner Liebe fest in die Augen. Verkauf sie und Dich nicht für nen Fuzzy, der die Regeln der Beeinflussung kennt und Dir den Bart bürstet mit Verständnisgefloskel, DU bist derjenige der im Schlamm liegen wird, nicht dieser Fuzzy. Vergiß das nie.
- Liebe technische Medien, sorry dass ich die Menschen hier so durch den Dreck zieh, die mit Eurer Hilfe Geld erwirtschaften. Ich weiß, dass Ihr euer bestes tut, damit Botschaften rüber kommen. Ihr könnt nichts dafür, wenn Ihr geistige Jauche und Schrottmusik servieren müsst, und mich macht das als Mensch wütend. Kein Radio und kein Fernsehen, keine Druckerpresse hat das verdient, was Mensch-Deppen über sie an Respektlosigkeiten und Vorurteilen alles in die Medienlandschaft rausblasen. -
- Liebe Medienmenschen, fühlt Euch offen angesprochen und aufgefordert, Eure Kameras und Mikrophone nicht zu vergewaltigen. -
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und was passieren kann, wenn man sich trotzdem darauf einlässt ...
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Ein persönlicher Erfahrungsbericht
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Meines Erachtens und meiner Erfahrungen nach tragen die Regisseure und Realisatoren, deren Namen man nur kurz im Abspann liest, einen nicht unerheblichen Teil der Verantwortung für das Ergebnis solcher Produktionen, die am Ende fragwürdige Titel tragen wie:
"Skurrile Liebe -Darauf steht Deutschland"
im Rahmen der Sendereihe:
RTLII Exklusiv - die Reportage
Für das also, was am Ende fertig zusammengeschnitten und vom Sender abgesegnet, von dem, in vielen Stunden Arbeit gedrehten Rohmateriales, übrig bleibt und letztendlich verwendet wird.
Der Regisseur ist die zentrale Vermittlungs- und Handlungsperson zwischen der Produktionsfirma und Darsteller/n. Es liegt in seinem Ermessen und sicher auch in einer gewissen künstlerischen Freiheit, so wurde es mir jedenfalls von ihm vermittelt, die Vorgaben des jeweiligen Sendeformates, in ihrer Arbeit umzusetzen.
Alles begann also mit einer Anfrage der CNC-Filmproduction, Köln, im Juni 2008 wie folgt:
Sehr geehrter Forumsbetreiber, sehr geehrte Forumsbetreiberin,
Wir sind eine Fernsehproduktionsfirma, die Reportagen und Dokumentationen für öffentlich-rechtliche und private Fernsehsender produziert.
Bei unserer Recherche zum Thema „Objektliebe" sind wir auf Ihre Seite gestoßen. Uns ist sehr wohl bewusst, dass dies ein sehr sensibles Thema ist und wir es dementsprechend behandeln müssen. Durch unsere Erfahrung bei der Produktion der WDR-Dokumentation „Anfänger in Weiß" über junge Assistenz-Ärzte während der Ausbildung und unsere Drehs während Operationen in Krankhäusern sind wir mit dem Umgang von sensiblen Themen besonders vertraut.
Wir möchten Ihnen die Möglichkeit bieten, über das Thema „Objektliebe" in der Öffentlichkeit vernünftig und fundiert berichten zu können sowie für mehr Toleranz und Verständnis zu sorgen.
Eigentlich wollte ich sie ebenso, wie die anderen Medienanfragen von Privatsendern mit ähnlich klingendem Wortlaut sofort ablehnen, hätte ich in diesem Zusammenhang dann nicht den zuständigen Regisseur Simon Tanschek kennen- gelernt. Dafür mich mit ihm auf ein erstes unverbindlichen Gespräch zu treffen, sprach die Tatsache, dass er maßgeblich an der Produktion "Anfänger in Weiß" für den WDR und "Flipperkings" Dmax beteiligt war und da mir beides bekannt war und bei mir einen eher positiven Eindruck hinterlassen hatte, siegte letztendlich meine Neugierde.
Es folgten schließlich mehrere sehr ausführliche Gespräche bei denen ich den Eindruck gewann, dass der zuständige Regisseur sehr gewissenhaft auf das Thema Objektsexualität eingeht und gründlich recherchiert. Selbstverständlich war mir bewusst, dass es in jedem Fall eine Gratwanderung werden würde, mit einem so schwierigen, sensiblen und noch immer weitgehend unbekannten Thema wie Objektliebe an die Öffentlichkeit zu gehen und eine weitere, für jemanden, den das Thema selbst nicht betrifft und für den es absolutes Neuland ist, etwas darüber verfassen oder gar einen Film machen zu wollen.
Das nämlich zeigen als Ergebnis ein Grossteil aller bisherigen Versuche diverser Medien, ein einigermassen realistischen Bild des Themas OS wiederzugeben und entsprechend unbefriedigend, wurde dieses schließlich auch aus der Sicht derer empfunden, die das Thema aus eigenem Erleben betrifft.
Allzu leicht passiert es, dass es entweder eine sehr oberflächliche und wenig aussagende Darstellung bleibt, oder im Gegenteil, sehr missverständlich und verzerrt bis voyeuristisch auf den sexuellen Aspekt reduziert wird, der in Wahrheit nur eine Facette einer komplexen Thematik darstellt.
Umso wichtiger erscheint es einem als Objektliebender, sich aus eben genau diesem Grund mit der Öffentlichkeit auseinanderzusetzen und auch die unterschiedlichen Medien dafür zu nutzen, mit sachlichen Informationen aufzuklären, mit Vorurteilen aufzuräumen und vor allem mit dem Sinn und Anliegen, weitere Kontakte zu Gleichgesinnten zu finden.
Selbstverständlich habe ich mit dem Regisseur ausführlich über meine Bedenken gesprochen und dass ich eher dazu tendierte, mich nicht auf einen Dreh einzulassen, da mir von Anfang an nicht wohl bei dem Gedanken war, dass der Beitrag in diesem Fall für eine RTL2-Reportage produziert werden sollte.
Davon abgesehen war ich ansonsten sehr positiv von unserem Austausch angetan.
Wir sprachen des weiteren über viele Alltagssituationen und Probleme, welche man/Frau als Objekto so kennt und erlebt. Das meiste davon spielt sich allerdings eher im Stillen und Verborgenen ab und ist so unspektakulär, dass es ein Aussenstehender, in der Regel, nicht grossartig mitbekommen oder gar, nicht einmal bemerken würde.
Wie das also filmisch umsetzen?
Vielleicht in dem man diesesmal mehr auf Emotionen setzt, als auf mögliche wissenschaftliche Erklärungen?
Vielleicht in dem man den Versuch wagt, das Ganze mit einer gewissen Leichtigkeit, Selbstironie und vielleicht auch einem Augenzwinkern zu vermitteln?
Versuchen, einmal ganz neue Wege zu beschreiten?
Was mich betrifft, so habe ich bereits an einigen thematisch unterschiedlichen Beiträgen für diverse Medien, so auch für das Fernsehen mitgewirkt und für mich persönlich bisher nur angenehme Erfahrungen damit verbuchen können, wohl auch, weil rückblickend, immer alles mit rechten Dingen und korrekt zugegangen war. Sicher war auch dieser Aspekt für mich ausschlaggebend eine Zusage und grünes Licht für die Vorbereitungen der Dreharbeiten zu geben.
Zunächst wurde, basierend auf unsere Vorgespräche, vom Regisseur ein Storyboard ausgearbeitet.
Die Reportage sollte, so war es der Informationsstand damals, im Wechsel, den Alltag zweier objektophiler Protagonisten zeigen mit besonderem Focus auf die schwierigen Umstände, ihre Liebe ausleben zu können, wenn man in ein sog. öffentliches Objekt verliebt ist.
So wie in meinem Fall nun die Geschichte mit der Lok und in der zweiten, die eines Gebäudeliebhabers, für den seine Liebe, ebenso schwierig erreichbar war. Eine dritte Geschichte sollte des weiteren, den Alltag eines Liebespaares mit großem Altersunterschied begleiten und das Ganze dann später zusammengefasst unter dem Titel laufen:
" Außergewöhnliche Liebesbeziehungen "
Eben so, wie es auch im Vertrag geschrieben stand.
Was da nun wie im Detail auf mich zukommen sollte, so das Konzept, wurde mir als Darsteller vorher nicht verraten, eben, damit der dokumentarische Charakter während des gesamten Drehs erhalten bleibt: "Lass Dich überraschen und vertrau mir einfach", so der Slogan des zuständigen Regisseures, der fortan die gesamten Dreharbeiten begleiten sollte. "Im wirklichen Leben weiss man ja auch nicht, was als nächstes passiert" und so verstand er es geschickt, einen auf die Folter zu spannen und für gute und erwartungsvolle Stimmung zu sorgen.
Szene für Szene wurde vorbereitet und arrangiert und alle beteiligten Darsteller erfuhren oft erst kurz zuvor, was überhaupt und welche Szene als nächstes ansteht, ebenso, wer alles zusammen in einer Szene "agieren" würde. Jeder wurde schließlich auch einzeln über seine jeweilige Rolle, bzw. wie er in der jeweiligen Szene zu reagieren bzw. zu agieren hat, instruiert und dann erst, wenn alles klar abgesprochen war, aufeinander losgelassen.
Zu diesem Konzept gehörte auch, dass man vorher und während des Drehs möglichst nicht mit den anderen Beteiligten sprechen soll, um genau das eben erst dann zu tun, wenn die Kamera läuft.
Es war durchaus vergleichbar mit einer Art Improvisationstheater und genau so fühlte ich mich auch recht schnell, nämlich wie ein Schauspieler auf einem Filmset und nicht als Protagonist, in einer um Sachlichkeit bemühten Reportage.
Sachlichkeit war gestern, denn das hier schien irgendetwas völlig Neuartiges zu sein. Längst hatte ich mich blauäugig auf dieses Abenteuer eingelassen, das rasant an Fahrt aufnahm. Mir vertraute Orte verwandelten sich zusehens in Theater- und Filmkulissen. Das Set, eine ganz eigene Welt, an dessen Eingang man den realen Alltag ablegte, obwohl das hier doch mein Thema und meine Geschichte sein sollte.
Irgendwie schaffte es der Regisseur immer und überall, alle Beteiligten und kurz entschlossen dazu Eingeladenen und Überredeten, in seinen Bann zu ziehen und zu willigen und gutmütigen Marionetten endloser Wiederholungen zu machen. Er biss sich an ihnen fest und ließ nicht eher locker, bis er endlich das im Kasten hatte, was er sich von einer Szene versprochen hatte.
Ich bewundere noch immer die Bereitwilligkeit und Geduld der Museumsleute, die das alles mitgemacht, ihre Zeit und ihren Enthusiasmus investiert haben, ohne wirklich zu wissen, worauf genau sie sich da eingelassen hatten. Glaubten sie etwa, oder hatte man ihnen erzählt, in dieser Reportage würde ihre ehrenamtliche Arbeit in ihrem Eisenbahnmuseum repräsentiert werden?
Es wurde ständig irgendetwas umdisponiert, kurzfristig geändert und weitere Personen, Museumsmitarbeiter, welche ich teils nur sehr flüchtig kannte, mit ins Spiel gebracht. Mir war nicht wirklich wohl dabei und es entstanden mehr und mehr offene Fragen, doch wie und bei wem hätte ich da noch eingreifen und beizeiten über die wahren Hintergründe der Reportage aufklären können. Es war gar nicht mehr die Zeit, noch irgendeine Möglichkeit dazu gegeben. Das Ganze war längst zu einer Art Selbstläufer geworden.
Die Drehs dauerten immer sehr lange. Wir begannen am frühen Vormittag und nicht selten dauerte es bis tief in die Nacht hinein und das alles ohne Honorar oder Aufwandsentschädigung, denn das war laut Vertrag nicht vereinbart.
So war es wieder einmal sehr spät geworden, als der Regisseur zu mir sagte: "Der Zuschauer muss doch irgendwie erkennen können, dass es sich bei dir, um einen nicht alltäglichen Eisenbahnfan handelt."
Ich war müde von den bereits vorangegangenen stundenlangen Dreharbeiten und wollte endlich meine Ruhe haben, demzufolge wurde ich ihn und sein Gefolge erst los, nachdem er mich dazu überredet und fast auf meinem Bett sitzend dazu bekniet hatte, mich doch mal mit meinem Lokmodell ins Bett zu legen und mal so zu tun, als würde ich es küssen. Spätestens dieser Peinlichkeit hätte ich ihn und sein Team rauswerfen sollen, doch wir hatten ja bereits soviel Arbeit investiert und das sollte ja nun nicht alles umsonst gewesen sein.
Die Beharrlichkeit unseres Regisseures bekamen selbst die nur am Rande Beteiligten zu spüren, so wie jener um drei Uhr nachts verständlicherweise angesäuerte Kneipenwirt, der seit Stunden eigentlich längst hatte Feierabend machen wollen und mit uns Darstellern bis zum bitteren Ende hatte ausharren und die letzte endlose Wiederholung meines unter diesen Umständen fast herbeigenötigten Outings als Objekto vor meinen Eisenbahnmuseumsfreunden hatte ertragen müssen. Dabei war im Laufe dieses Abends eine durchaus interessante Diskussion zustande gekommen, doch im Endschnitt ist davon leider nur vordergründig und Oberflächliches übrig geblieben, bzw.verwendet worden.
Gefühlsmäßig habe ich während des ganzen Drehs immer wieder reinste Wechselbäder durchgemacht. So ziemlich alles zwischen Begeisterung, Zweifel und tiefer Verunsicherung darüber, was der Regiesseur da eigentlich von mir erwartete, wenn er mich in das kalte Wasser einer neuen Szene warf. Andererseits war es immer wieder eine neue Herausforderung, alles zu geben und sich bis zur Erschöpfung zu verausgaben. Irgendwann war es wie ein Rausch. Man steht praktisch neben sich, ist innerlich aufgekratzt und fragt sich, was als nächstes passieren wird.
Man ist irgendwann völlig raus aus seinem gewohnten Rhythmus.
Oft habe ich diesen Regisseur für seine, vom Filmemachen fast Besessenheit bewundert und schon bei der nächsten Szene, wenn er plötzlich wieder mit so einer absurden Idee aufwartete, am liebsten zum Teufel gewünscht. So fand ich mich plötzlich in einem Schmuckladen, einer mir völlig unbekannten Juwelierin gegenüber, der ich irgendwie erklären sollte, für wen und warum ich ein bestimmtes Schmuckstück aussuche.
Sicher machen Objektophile ihren Objekten hin und wieder kleine Geschenke, genauso, wie der eine oder andere bestimmt auch ein Modell oder kleines Abbild seiner Liebe herzt, weil das Original dessen oft unerreichbar bleibt, aber auch das ist eher etwas, was Außenstehenden normalerweise verborgen bleibt.
Mit Sack und Pack in einen Schmuckladen zu gehen und für eine Lokomotive eine Goldkette zu kaufen, so etwas kann entweder nur symbolisch gemeint oder Teil einer avantgardistischen Theater- oder Filminzenierung sein.
Ebenso überraschend wie kurzfristig stand ich vor der Szene, einen gewissen Dr.Seikowski, anzurufen, der sich angeblich wissenschaftlich mit dem Thema Objektophilie befasst haben soll. Als Mensch und Typ fand ich ihn bei unserem nur kurze Zeit später arangiertem Treffen durchaus sympatisch und interessant und hätte mich gerne auch ausführlicher mit ihm unterhalten und näher kennengelernt, was mir durch die strikten Vorgaben der Dreharbeiten auch hier nur ansatzweise möglich war, doch auch davon sieht man hinterher in der Reportage nur die vordergründig an die Story angepassten und auf die sexuellen Details ausgerichteten Teile des Gespräches und so hat sich für mich, leider bis heute nicht erschlossen, in welcher Weise Dr. Seikowski sich dem Thema auf wissenschaflticher Basis angenähert hat. Schade, wie ich finde und so sind mir ua. nur seine Publikationen über Transgender ein Begriff.
Wohin neue Wege führen, weiß man leider oft erst, wenn man sie gegangen ist.
Meine auf der Suche nach der verschollenen Lok, führten durch Gestrüpp und stundenlange Drehs im Regen, während sich die einzelnen Szenen allmählich zu einer Geschichte zusammenfügten.
Im normalen Leben würde sich eine entsprechende Suche ebenfalls relativ unspektakulär gestalten; in dem man ins Internet schaut oder sich in der Bahnerszene umhört. Ganz bestimmt würde keiner auf die Idee kommen mit Reisegepäck und Schlafsack durch die Gegend zu pilgern, ausser ein Regisseur vielleicht, der dem späteren Zuschauer starke Worte und bewegte Bilder präsentieren möchte. Grosses Kino, indem man seinem Protagonisten Zitate aus Hollywoodfilmen in den Mund legt und sie mit entsprechender Musik untermalt, während dieser endlich glücklich, seiner "zufällig" aufgespürten Lok wieder begegnet.
Ein Kuss, eine Umarmung und vielleicht noch ein nackter Oberkörper, sind auch innerhalb einer objektophilen Liebesbeziehung, noch immer weit von einem Geschlechtsakt entfernt, es sei denn, man stilisiert DAS zu purem Sex, was man für gewöhnlich zwischen zwei menschlichen Partnern überall im Alltag, unserer, ach so toleranten Gesellschaft, beobachten kann.
Erst wenn man ein Eisenbahnmuseum und mit ihm eine ganze Eisenbahnszene im Glauben lässt, sich in dieser Reportage repräsentiert zu sehen und dann mit der vollendeten Tatsache konfrontiert, um was es tatsächlich geht und demzufolge dessen, was schliesslich über den Sender gegangen ist, so könnte das für alle Betroffenen und insbesondere aller aktiv beteiligten Protagonisten nachhaltig kompliziert werden.
Spätestens hier hätte es mit "As time goes by" schadensbegrenzend romantisch enden sollen, anstatt dem Ganzen noch ein verkrampftes Pseudointerview über sexuelle Praktiken überzustülpen, wie denn nun Sex mit einer Lok funktionieren kann.
An dieser Stelle sei ebenfalls gesagt, dass alles, was mit Zuneigung, mit Liebe und letztendlich auch Sexualität zu tun hat, wenn überhaupt, unabhängig von der Partnerwahl, zuerst zwischen den Ohren beginnt und der intimere Teil, der daraus folgen kann, niemanden etwas angeht. Doch wie setzt man etwas, was vor allem mit Phantasie, Wahrnehmung und ganz einfach Nähe zu tun hat, in möglichst spektakuläre Bilder um?
Als ich dann den ersten Schnitt zu sehen bekam, bat ich darum, die mir zu privat anmutenden Szenen zu kürzen oder am besten ganz zu entfernen, doch wenn man erst einmal den Fehler gemacht hat, so einen Vertrag zu unterschreiben, passiert am Ende gar nichts mehr damit und es heißt dann ohnehin, dass es aus diesen und jenen Gründen, nicht mehr möglich sei, noch etwas zu ändern.
Stattdessen fiehl nun die zweite, für die Rpeprtage ursprügnlich geplante objektophile Geschichte ganz raus, weil ja nun von meiner Geschichte so viel grossartiges Material vorhanden wäre und die dritte Story, die mit dem Pärchen großen Altersunterschiedes, so hieß es, dürfe man mir aus rechtlichen Gründen vor der offiziellen Ausstrahlung nicht zeigen.
Auch auf den später, ohne Begründung, geänderten Sendetitel ("Skurrile Liebe" Darauf steht Deutschland), der das fertige Werk in seiner Gesamtheit noch fragwürdiger erscheinen ließ, hatte der Regiesseur angeblich keinen Einfluss. Spätestens hier, sah ich "das Experiment", wie ich das komplette Ergebnis des so entstandenen Beitrages inzwischen nannte, endgültig vor die Wand gefahren.
Ich habe mich seitdem immer wieder gefragt, ob der Regisseur eigentlich damit glücklich ist, was unterm Strich aus dieser meiner Geschichte und seinem Werk, für das er, nein wir alle, doch so leidenschaftlich gearbeitet haben, geworden ist und ob ihm eigentlich bewusst ist, was dabei alles falsch gelaufen ist.
Oder er es billigend in Kauf nimmt, dass sich eine ganze Museumsbahnszene auf Kosten einer derart persönlichen,ja meiner, wenn auch konstruierten Geschichte der Lächerlichkeit preisgegeben fühlt.
Tut man sich als Produzent einer solchen Dokumentation eigentlich selbst einen Gefallen und kann man das auf Dauer mit seinem Gewissen vereinbaren, oder zählen tatsächlich und um jeden Preis nur noch Quote und Profit, obwohl man sich doch als aufstrebender Regisseur mit seiner Filmarbeit einen guten Namen machen möchte?
Ist einem das eigene Werk, wenn man es erst an den Sender abgeliefert hat, hinterher eigentlich völlig egal und auch die Folgen, die es später für die Protagonisten haben kann ?
Wie passt das alles zusammen und was soll man davon halten oder glauben ? Etwa, dass, wenn ein Regisseur erst einmal dein Vertrauen als Protagonist gewonnen und ebenso deine Unterschrift hat, er aus allen möglichen Gründen auf einmal nicht mehr erreichbar ist?
Entzieht er sich seiner Verantwortung und dem hinterlassenen Scherbenhaufen, indem sie sich mit Tunnelblick auf sein nächstes Projekt und mit einem neuen Storyboard unter dem Arm, in den nächsten Porzellanladen stürzt?
Ich wäre so gerne vom Gegenteil überzeugt, dass das alles so nicht stimmen möge, denn schließlich hat man während seiner Zusammenarbeit auch so etwas wie eine Beziehung zueinander entwickelt.
Letztendlich aber wird diese Frage für mich wohl unbeantwortet bleiben und so undurchschaubar, wie die Vorgaben der Auftraggeber, der Produktionsfirma und letztendlich des Senders, für den der Regisseur gehandelt hat und die Antowrt somit letztendlich nur er selber kennt.
Solange er sich nicht selber ehrlich dazu äußert, sich weiter in Schweigen hüllt, sein Handy an die Seite legt und gar um Jahre verspätete Entschuldigungen reine Lippenbekenntnise bleiben, die nur dem Zwecke dienen, den eigenen Ruf zu wahren, so muss ich annehmen, dass ihm die Folgen für die Darsteller egal sind.
Niemals zuvor hatte ich zu einem Medienbeitrag, an dem ich selber mitgewirkt habe, ein derartig zwigespaltenes Verhältnis, mit offen gebliebenen Fragen und Wunden. Zwischen Trauer und Wut mischen sich all die Emotionen, die man angesichts von Erfahrungen empfinden kann, auf die ich einerseits gut und gerne hätte verzichten können und die ich andererseits auch nicht missen möchte, weil ich sicher auch an ihnen gewachsen bin, wie auch, bestimmte Fehler nicht nocheinmal in dieser Weise zu widerholen, wie einem Regisseur zu blauäugig zu vertrauen, auch wenn er noch so sympatisch rüberkommt.
Vielleicht ja hätte dieser Film und das viele darin investierte Herzblut eine wirklich nette, wenn auch aussergewöhnliche, Lovestory werden können, allerdings unter ganz anderen Bedingungenen und Gegebenheiten. Vielleicht wäre er dann auch vom Publikum so verstanden und angenommen worden, wie er im Grunde gemeint war, doch auch der beste Film wäre es nicht wert gewesen, seine Liebe dafür auf´s Spiel zu setzen und sie mit dem übelstem Schmutz menschlichen Kleingeistes bewerfen zu lassen.
Auch wenn es rühmliche und ermutigende Ausnahmen gibt, die trotz aller Kritik, die wahre Botschaft verstanden haben mögen, so soll es sich allein für sie gelohnt haben, sich auf dieses Wagnis einzulassen, denn rückgängig und ungeschehen machen, kann man es nun ohnehin nicht mehr.
Doch hätte ich die Wahl, so würde ich mir wünschen, vieles möge wieder zu sein, wie es vor dem 23.10.2008 einmal gewesen ist.